Nachrichten von gestern

Nachrichten von gestern

Zoo Schoenbrunn eroeffnet - 31. Juli 1752

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 264 Jahren

Maria Theresias Gatte, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen (1708-1765), beauftragte den ebenfalls aus Lothringen stammenden Architekten Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey mit dem Bau der Menagerie im Park von Schoenbrunn. Dieser alte Tiergarten war nach einjaehriger Bauzeit fertig, er besteht aus 12 Gehegen (analog zu den 12 Tierkreiszeichen) und einem, ferner einem Teich und zwei Hoefen mit weiteren Gebaeuden. Der achteckige Pavillon im Zentrum der Anlage wurde erst 1759 fertiggestellt. Alles zusammen war von einer Mauer umgeben. Als die Tiere eingezogen waren, besuchte der Kaiser den Tiergarten zusammen mit seinen Gaesten erstmals am 31. Juli 1752, der somit als Geburtstag des aeltesten heute noch bestehenden Tiergartens Europas gilt. Er wurde bereits 1778 fuer „anstaendig gekleidete Personen“ an Sonntagen geoeffnet, aber bald taeglich zugaenglich gemacht. Nachdem 1781 die Woelfe und Baeren aus der Menagerie beim Neugebaeude in Schoenbrunn und 1799 Elefanten, Eisbaeren, Grosskatzen und Hyaenen eingezogen waren, entwickelte sich der Zoo zum Publikumsmagneten. 1828 versetze die erste Giraffe ganz Wien in ein regelrechtes „Giraffenfieber“. Heute bemueht sich der Zoo um artgerechte Haltung des Bestandes, finanziell unterstuetzt u.a. von zahlreichen Tierpaten. Eine Jahreskarte (2016: 44 EUR) zahlt sich aus!

Bild: Der alte Tiergarten zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Ansichtskarte von Feiertag).

Juden ausgewiesen - 30. Juli 1669

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 347 Jahren

Durch die Karmelitergasse und die anschliessende Krummbaumgasse im 2. Wiener Gemeindebezirk kommt man quer durch das Gebiet, das von Kaiser Ferdinand II. 1624 den Wiener Juden als Wohnort zugewiesen wurde. Trotz des ghettoartigen Lebens im Unteren Werd sah sich die juedische Gemeinschaft bald Anfeindungen ausgesetzt. Ihr bluehendes Gemeinwesen umschloss etwa 140 Haeuser, als die Herolde Kaiser Leopolds I. (1640-1705) am 30. Juli 1669 verkuendeten, dass sich alle armen Juden, d.h. alle, die nicht mit Haus oder Kaufmannsguetern angesessen waren, binnen 14 Tagen von Wien entfernen mussten. Die wohlhabenden Juden durften vorerst noch bleiben, doch draengte neben Kirche und Ratgebern auch die Stadt Wien beim Kaiser auf Abschaffung der unliebsamen Konkurrenz: Die Stadt wuerde den Steuerausfall uebernehmen. Also wurde am 27. Februar 1670 im Ministerrat beschlossen und vom Kaiser angeordnet, dass alle Juden ohne Ausnahme bis zum naechsten Fronleichnamstage aus Wien verschwunden sein mussten. Sie wanderten in andere habsburgische Laender wie Boehmen, Maehren und Ungarn aus, etliche auch nach Bayern, Berlin, oder sogar nach Polen. Der Kaiser beglich mit dem konfiszierten Vermoegen einen Teil seiner Schulden. Anstelle der Synagoge wurde eine Kirche errichtet, und die Wiener Kaufleute waren ihre erfolgreichen Konkurrenten los. Nur der Friedhof in der Seegasse durfte bleiben, die Stadt Wien verpflichtete sich gegen Zahlung von 4000 Gulden zu seiner Erhaltung.

Bild: Abmarsch der Juden im Jahre 1670

Otto Wagner gewinnt Postsparkassa-Wettbewerb - 29. Juli 1903

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 113 Jahren

Der Architektur-Wettbewerb fuer das Wiener „k.k. Postsparcassen-Amt“ wurde im Februar 1903 als offenes, nicht anonymes Verfahren ausgeschrieben. Am 7. Mai, 6. Juni und 10. Juni gab es je eine Sitzung der Jury, in denen die 37 eingereichten Projekte geprueft wurden. Otto Wagner (1841-1918) ging am 29. Juli 1903 als Sieger hervor. Zwischen 1904 und 1906 wurde das von ihm entworfene Gebaeude am Georg-Coch-Platz in der neuen Stahlbetonbauweise errichtet und am 17. Dezember 1906 eroeffnet. Der Kassenraum fuer den Effektenverkehr wurde 1910-12 angebaut. Das Postsparkassengebaeude gilt als Schluesselwerk der europaeischen Moderne und der Wiener Jahrhundertwende. Es verbindet hoechste Zweckmaessigkeit und Gebrauchsfaehigkeit mit Aesthetik. Im Gebaeude gibt es ein kleines Otto-Wagner-Museum.

Bild: Die Postsparkasse von Otto Wagner (Bwag/Wikimedia)

An meine Voelker! - 28. Juli 1914

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 102 Jahren

„Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Voelker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen. Die Umtriebe eines hasserfuellten Gegners zwingen Mich, zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen. Mit rasch vergessendem Undank hat das Koenigreich Serbien, das von den ersten Anfaengen seiner staatlichen Selbstaendigkeit bis in die neueste Zeit von Meinen Vorfahren und Mir gestuetzt und gefoerdert worden war, schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit gegen Oesterreich-Ungarn betreten. … (Gekuerzt) …Serbien hat die massvollen und gerechten Forderungen Meiner Regierung zurueckgewiesen und es abgelehnt, jenen Pflichten nachzukommen, deren Erfuellung im Leben der Voelker und Staaten die natuerliche und notwendige Grundlage des Friedens bildet. So muss Ich denn daran schreiten, mit Waffengewalt die unerlaesslichen Buergschaften zu schaffen, die Meinen Staaten die Ruhe im Inneren und den dauernden Frieden nach aussen sichern sollen.

In dieser ernsten Stunde bin Ich Mir der ganzen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmaechtigen voll bewusst. Ich habe alles geprueft und erwogen. Mit ruhigem Gewissen betrete Ich den Weg, den die Pflicht Mir weist. Ich vertraue auf Meine Voelker, die sich in allen Stuermen stets in Einigkeit und Treue um Meinen Thron geschart haben und fuer die Ehre, Groesse und Macht des Vaterlandes zu schwersten Opfern immer bereit waren. Ich vertraue auf Oesterreich-Ungarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfuellte Wehrmacht. Und Ich vertraue auf den Allmaechtigen, dass Er Meinen Waffen den Sieg verleihen werde.

Franz Joseph m. p.; Stuergkh m. p.“

Bild: Kriegspropaganda in der Karikatur.

Strafrechtsgesetz Carolina - 27. Juli 1523

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 493 Jahren

An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit steht am 27. Juli 1532 ein bedeutsames Werk der deutschen Reichsgesetzgebung, die Constitutio Criminalis Carolina (Kaiser Karl V.), kurz Carolina oder CCC genannt. Damit waren ein einheitliches Strafgesetzbuch und eine einheitliche Strafprozessordnung fuer das gesamte Reichsgebiet geschaffen. Es wurden darin entscheidende Grundbegriffe wie Vorsatz und Fahrlaessigkeit, Versuch, Teilnahme und innere Einstellung des Taeters herausgearbeitet und einzelne Tatbestaende festgeschrieben. Die „Salvatorische Klausel“ in der Carolina bestimmte jedoch, dass die Landesordnungen den Reichsgesetzen vorgingen und beschraenkten letztere auf subsidiaere Geltung. Ihre Bestimmungen galten somit nur dann, wenn in den Landesordnungen keine passenden vorhanden waren. Subsidiaere Geltung genoss bis ins 18. Jahrhundert uebrigens auch die Bibel, vor allem das Alte Testament - Aug’ um Auge, Zahn um Zahn. Viele der Bestimmungen der Carolina wurden bald von den Halsgerichtsordnungen und den Landgerichtsordnungen, den vom 15. bis zum 17. Jahrhundert erlassenen Patenten ueber Strafrecht und Strafverfahren, von den einzelnen Reichsterritorien uebernommen. - Gekuerzt aus Anna Ehrlich: Hexen, Moerder, Henker; Amalthea 2006 (vergriffen); dazu oeffentliche Fuehrungen in Wien von Wienfuehrung, Termine siehe Website.

Bild: Das schaurige Frontispiz der Constitutio Criminalis Carolina

Parsifal uraufgefuehrt -26. Juli 1882

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 134 Jahren

Richard Wagner (1813-1883) schrieb das Libretto zu seinem Buehnenweihfestspiel Parsifal frei nach dem Versepos Parzival, das Wolfram von Eschenbach um 1200 dichtete. Er aenderte die Schreibweise des Namens, den er auf die vorgeblich persischen Woerter fuer Tor (parsi) und rein (fal) zurueckfuehrte (was im Langenscheidt Woerterbuch nicht nachvollziehbar ist) und stellte im Inhalt eine Ersatzreligion vor, die spaeter unter anderem auch Hitler stark beeinflusste. Er komponierte das Werk speziell fuer die akustischen Bedingungen des Bayreuther Festspielhauses. Die Urauffuehrung fand bei den 2. Bayreuther Festspielen am 26. Juli 1882 statt und wurde von Hermann Levi dirigiert. Wagner hatte sich bis zuletzt gegen Levi gewehrt, weil dieser Jude war. Koenig Ludwig II. von Bayern zwang ihn aber, den Dirigenten zu akzeptieren, da er ihm das Hoforchester ohne ihn nicht zur Verfuegung gestellt haette. Das Buehnenbild schuf Paul von Joukowsky nach Wagners Ideen: Der Gralstempel der Urauffuehrung erinnert an den Dom von Siena, Klingsors Zauberschloss an den Garten der Villa Rufolo in Ravello.

Bild: Buehnenbild des Gralstempels, Bayreuth 1882.

Putschversuch in Oesterreich - 25. Juli 1934

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 82 Jahren

Startpunkt des nationalsozialistischen Putsches in Wien war die Turnerbundhalle in der Siebensterngasse, dort ruesteten sich die Putschisten mit Waffen und Oesterreichischen Uniformen aus. Von dort aus marschierte eine Gruppe von 154 Maennern zum Bundeskanzleramt und drangen dort ein. Bundeskanzler Engelbert Dollfuss (geb. 1892) wurde von zwei Schuessen toedlich getroffen. Eine weitere Gruppe besetzte das RAVAG-Gebaeude (Radioverkehrs AG) und liess die Falschmeldung ueber eine Machtuebergabe von Dollfuss an Anton Rintelen senden. Diese Meldung war das Signal fuer den Putschversuch in ganz Oesterreich, in den Bundeslaendern kam es mancherorts zu kleineren und groesseren Gefechten (z.B. Kollerschlag), die aber rasch endeten. Auf Regierungsseite forderten die Kaempfe 107 und auf Seite der Aufstaendischen 140 Tote. Die Nationalsozialisten hatten sich verrechnet, der „Juliputsch“ blieb erfolglos: Denn die uebrigen Mitglieder der Bundesregierung hatten aus dem Bundeskanzleramt fliehen koennen und das Bundesheer war loyal geblieben. Die Aufstaendischen wurden hart bestraft: 13 wurden hingerichtet und etwa 4000 in Anhaltelager eingewiesen.

Bild: Die RAVAG Putschisten werden abgefuehrt

Unglueck bei Loveparade - 24. Juli 2010

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 6 Jahren

Die Loveparade war eine Technoparade, d.h. eine Parade von bunten Wagen, auf denen unterschiedliche Musik gespielt wird. Sie fand ab 1989 einmal im Jahr in einer groesseren Stadt statt. Am 24. Juli 2010 war das Gelaende des ehemaligen Hauptgueter- und Rangierbahnhofs von Duisburg als Veranstaltungsort gewaehlt worden. Im Zugangsbereich kam es aufgrund von Planungsfehlern und schlecht geleiteten Besucherstroemen zu einem Gedraenge, das 21 Besuchern das Leben kostete. Weitere 541 Personen wurden verletzt. Und mindestens 6 Ueberlebende waren so traumatisiert, dass sie sich danach das Leben nahmen. Das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Verfahren gegen die Verantwortlichen erbrachte keinen hinreichenden Tatverdacht – das Landgericht Duisburg lehnte die Eroeffnung des Hauptverfahrens  daher ab. Die Veranstalter stellten die Paraden nach diesem Unglueck ein.

Bild: Der Ungluecksort der Loveparade in Duisburg (Beademung at German Wikipedia)

Erster staatlicher Wetterdienst der Welt - 23. Juli 1851

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 165 Jahren

Kaiser Franz Joseph bewilligte am 23. Juli 1851 die Errichtung einer „Centralanstalt fuer meteorologische und magnetische Beobachtungen“, womit der erste staatliche Wetterdienst der Welt entstand. Der erste Direktor war Karl Kreil (1798-1862), Professor fuer Physik an der Universitaet Wien.  Er richtete ein meteorologisches Beobachtungssystem fuer das Gebiet der gesamten Oesterreichischen Monarchie ein und fuehrte deren erste geomagnetische Landesaufnahme durch. 1865 begann man an der Zentralanstalt mit der Herausgabe einer taeglichen Wetterkarte. 1872 uebersiedelte die Zentralanstalt in ihr neues Quartier auf der Hohen Warte 38, errichtet von Heinrich Ferstel. Sie wurde 1904 in „Zentralanstalt fuer Meteorologie und Geodynamik“ (ZAMG) umbenannt. Als Direktor folgte Julius Hann (1839-1921), ein Klimatologe von internationalem Ruf und Verfasser eines grundlegenden Lehrbuchs der Meteorologie.

Bild: Ehemaliger Wetterbeobachtungsturm des Hann Hauses (ZAMG/Mathias Stampfl)

1. Wiener Kongress - 22. Juli 1515

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 501 Jahren

Lange schon war ein Ehe- und Freundschaftsbuendnis zwischen Habsburgern und Jagiellonen auf diplomatischen Wegen vorbereitet worden, bei einer persoenlichen Begegnung Kaiser Maximilians mit Sigismund von Polen und Wladislaw von Ungarn und Boehmen in Wien sollten die Vertraege nun abgeschlossen und durch eine Doppelhochzeit besiegelt werden. Kaiser Maximilian selbst heiratete am 22. Juli 1515 - allerdings nur als Stellvertreter fuer einen seiner Enkel, Karl oder Ferdinand (der die Heirat dann 1521 vollzog) – die zwoelfjaehrige Anna von Ungarn, deren Bruder Ludwig gleichzeitig mit Maximilians Enkelin Maria vermaehlt wurde. Sie war mit Ludwig schon verlobt worden, als er noch im Mutterleib war. Nach dem Hochzeitsmahl in der Burg wurde auf dem Neuen Markt in Anwesenheit der Damen turniert, abends erfolgte die Trauung der dritten Braut, einer „natuerlichen“ Tochter des Kaisers, Barbara von Rottal. Danach wurde gespeist, getanzt, getrunken und geliebt. Die ganze Stadt war auf den Beinen, die Koenige und Fuersten hatten ein riesiges Gefolge mitgebracht. Im Sinne guter Gastfreundschaft gewaehrten die „Huebschlerinnen“ ihre Dienste – nach mittelalterlicher Sitte auf Kosten des Kaisers. Das Geld war gut investiert: Die Habsburger erbten durch die Vertraege bereits 1526 die Kronen von Boehmen und Ungarn - der 22. Juli 1515 ist somit der Geburtstag der Donaumonarchie.

Bild: Doppelhochzeit am 1.  Wiener Kongress - Geburtstag der Donaumonarchie

Friede mit den Osmanen - 21. Julli 1718

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 298 Jahren

Passarowitz (Pozarevac), Ort in Jugoslawien, suedlich von Belgrad. Hier wurde am 21. Juli 1718 der Friedensvertrag zwischen Kaiser Karl VI. und Venedig einerseits sowie Sultan Ahmed III. andererseits geschlossen. Je ein Vertreter Englands und der Generalstaaten (Niederlande) unterzeichneten - sozusagen als Zeugen – ebenfalls. Oesterreich erhielt das Temesvarer Banat und die Kleine Walachei (Rumaenien) sowie Nordserbien mit Belgrad plus einem Grenzstreifen in Nordbosnien und erreichte damit seine groesste territoriale Ausdehnung (ausgen. des Banats gingen diese Gebiete 1739 wieder verloren). Nachhaltiger als der Landgewinn waren der Handelsvertrag, der den Kaufleuten beider Seiten auf dem Gebiet des frueheren Gegners Handelsfreiheit zugestand, und die Sicherheitsbestimmungen fuer Ungarn und Kroatien, die deren Aufschwung einleiteten.

Bild: Friede von Passarowitz, Die Unterhaendler im Verhandlungszelt (zeitgenoessische Darstellung)

Tegetthoff siegt vor Lissa - 20. Juli 1866

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 150 Jahren

Die Oesterreichische Flotte war um 1866 veraltet. Konteradmiral Wilhelm von Tegetthoff liess seine Schiffe mit Eisenplatten, Eisenbahnschienen und Ketten behelfsmaessig panzern. Die Verteidigung von Lissa (kroat. Vis), bestand aus 1.833 Soldaten, starken Festungen und Kuestenbatterien mit insgesamt 88 Kanonen. Die italienische Flotte unter Admiral Carlo Persano verliess am 16. Juli Ancona und beschloss nach einiger Untaetigkeit, die Insel einzunehmen. Der Festungskommandant hielt die Italiener jedoch geschickt in Schach. Am 20. Juli war die Lage der Verteidiger bereits kritisch geworden, die Italiener bereiteten die Landung vor. Da naeherte sich von Nordwesten her mit vollen Segeln Tegetthoff mit seiner Oesterreichischen Flotte von 20 Schiffen in Dreiecksformation. Angeblich sagte Persano, als er den Feind sah, veraechtlich: „Ecco i pescatori!“ (Hier kommen die Fischdampfer!). Als die Oesterreicher den Angriff starteten, wechselte Persano ploetzlich das Flaggschiff von der Re d Italia zur Affondatore, die ausserhalb der Gefechtsformation stand, was bei seinen Offizieren zu folgenschwerer Verwirrung fuehrte (sie missachteten Signale des neuen Flaggschiffs) und seine Gefechtsformation zerriss. Auf dem Hoehepunkt der Schlacht rammte Tegetthoffs Flaggschiff Erzherzog Ferdinand Max die Re d Italia um 11:30 Uhr mit voller Geschwindigkeit (11,5 Knoten) auf der Backbordseite, sodass sie innerhalb von 3 Minuten mit 381 Matrosen versank, weiter Schiffe wurden beschaedigt. Demoralisiert verliessen die Italiener bei Sonnenuntergang den Ort ihrer Niederlage, die als Tragoedie angesehen wurde: Ihre Verluste betrugen 612 Tote, 38 Verwundete und 19 Gefangene. Admiral Persano wurde seines Amtes enthoben und aus dem Marinedienst entlassen. Tegetthoff hingegen, der nur 38 Tote und 138 Verwundete zu beklagen hatte, wurde zum Vizeadmiral befoerdert. – Alljaehrlich findet am 20. Juli unter der Wiener Reichsbruecke eine Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen statt.

Bild: Die Erzherzog Ferdinand Max versenkt die Re d Italia (Gemaelde von Carl Frederik Sorensen, HGM)

Rom brennt - 19. Juli 64 (Julianischer Kalender)

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 1952 Jahren

Der Brand wuetete mindestens sieben Tage lang, Brandstiftung an mehreren Orten zugleich ist wahrscheinlich. Es war heiss und heftiger Wind herrschte, sodass ein Funke genuegte, um ein Feuer zu entfachen, das sich in den engen Gassen und den Holzhaeusern sehr schnell ausbreitete. Kaiser Nero hielt sich bei Ausbruch des Feuers nicht in Rom auf, er erschien aber rasch und beteiligte sich persoenlich an den Loescharbeiten. Er oeffnete den Fluechtenden das Marsfeld, die Bauten des Agrippa und seinen eigenen Park und liess Behelfsbauten fuer sie errichten, Lebensmittel von Ostia und den benachbarten Landstaedten bringen und den Getreidepreis senken. „So populaer dies war, verfehlte es doch seine Wirkung, weil sich das Geruecht verbreitet hatte, er habe gerade waehrend des Brandes der Stadt in seinem Hause die Buehne bestiegen und Trojas Untergang besungen, das gegenwaertige Unglueck Vernichtungsszenen der Vorzeit gleichstellend“, schreibt Tacitus in seinen Annalen. Das Geruecht, Nero sei der eigentliche Urheber des Brandes gewesen, kam gleich danach auf. Vermutlich politische Propaganda seiner zahlreichen Feinde unter dem roemischen Adel und im Senat, um den damals beim Volk beliebten Kaiser diesem verhasst zu machen, denn die ersten christlichen Schriftsteller wie Bischof Clemens von Rom, Tertullian und Lactantius berichten das nicht. Das Feuer koennte sich also tatsaechlich gegen Nero selbst gerichtet haben, ausgerechnet sein Palast mit all seinen geliebten Kunstschaetzen verbrannte, er war neben der ueblen Nachrede auch materiell einer der Hauptgeschaedigten. „Um daher das Gerede zu beenden, gab Nero den Christen, die das Volk wegen ihrer Schandtaten hasste, die Schuld und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen“, schreibt Tacitus. 200 bis 300 unschuldige Christen wurden lebendig verbrannt, was damals die Strafe fuer Brandstifter war.

Bild: Das brennende Rom (Gemaelde von Robert Hubert)

Kaiserwahl in Frankfurt - 18. Juli 1658

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 358 Jahren

Fuer Leopold I. (1640-1705) war urspruenglich eine geistliche Laufbahn vorgesehen, doch starb sein aelterer Bruder Koenig Ferdinand IV. voellig ueberraschend im Jahre 1654, wodurch er zum habsburgischen Thronerben, Koenig von Boehmen und Koenig von Ungarn wurde. Die Nachfolge im Reich war schwieriger, denn drei andere Fuersten bewarben sich nach dem Tod seines Vaters Ferdinand III. im Jahre 1657 ebenfalls um die roemisch-deutsche Kaiserkrone. Doch schliesslich konnte sich Leopold nach einjaehrigem Interregnum gegen den Einfluss seines Vetters und lebenslangen Rivalen, des franzoesischen Koenigs Ludwigs XIV. durchsetzen. Er wurde am 18. Juli 1658 von den Kurfuersten gewaehlt und im selben Jahr am 1. August im Kaiserdom St. Bartholomaeus zu Frankfurt gekroent.

Bild: Kaiser Leopold I. im Kreise der Kurfuersten (Haus-Hof- und Staatsarchiv)

Bienenueberfall bei Waidhofen - 17. Juli 1884

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 132 Jahren

Der Knecht des Wirtschaftsbesitzers Johann Hauser auf Waidhofen/Thaya war mit einem zweispaennigen Wagen in der Naehe von Ulrichsdorf unterwegs, als er ploetzlich Opfer einer Bienenattacke wurde: „Die Pferde stuerzten, vom Bienenschwarm verfolgt, in rasender Eile davon, bis sie endlich zu Tode gehetzt auf einer Wiese niedersanken. Der Knecht ist gluecklicherweise trotz der erhaltenen Bienenstiche fuer gerettet erklaert. Der gleichzeitig vorueberziehende Cooperator P. Wandl hat es nur seiner Geistesgegenwart zu verdanken, nicht uebel davon gekommen zu sein. Er warf sich naemlich zu Boden und entkam so der Gefahr, von Bienen buchstaeblich erstochen zu werden.“ Trotz aller Warnungen waren zwei Tage spaeter zwei Gymnasiasten im Freien unterwegs und wurden ebenfalls von Bienen attackiert und uebel zugerichtet. - Aggressive Bienen sind gar nicht selten: Vor kurzem wurden Teile des Nationalparks in Arizona ihretwegen gesperrt, nachdem ein Wanderer ihren Stichen erlegen war. Auch bei uns werden Bienen manchmal aggressiv, vor allem im Fruehjahr, und gehen den Menschen besonders an den Kopf, wo sie sich in den Haaren verfangen und zustechen.

Bild: Bienenueberfall bei Waidhofen (Interessantes Blatt 17. 7. 1884)

Felssturz in Salzburg - 16. Juli 1669

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 347 Jahren

In der Nacht vom 15. auf 16. Juli 1669 ereignete sich ein schweres Unglueck in Salzburg. Waehrend alle Bewohner schliefen, bewegte sich die Erde und schwere Steinmassen stuerzten vom Moenchsberg hinunter in die Gstaettengasse, wo sie 13 eng an ihn angebaute Haeuser, das Priesterseminar, die Markus-Kirche (Gedenktafel) und das Kirchlein zu Unserer Lieben Frau am Bergl nahe der heutigen Ursulinenkirche trafen. Der Laerm weckte die Anwohner, die den Betroffenen zu Hilfe eilten. Da ereignete sich ein zweiter Felssturz, dem auch sie zum Opfer fielen. Es gab ueber 220 Tote. Schuld an der Katastrophe war wohl die Aushoehlung des Bergfusses, in den man ein dichtes System von Kellern und Gewoelben getrieben hatte. Seit dem Unglueck wird der Berg regelmaessig von losem Gestein befreit. Seit 1778 gibt es staendige Bergputzer, zu deren Aufgaben auch die Beseitigung von Wurzeln zaehlt, damit die Spalten und Kluefte nicht groesser werden. Heute werden die Stadtberge ausserdem technisch ueberwacht, Steinfangeinrichtungen schuetzen die Anwohner und manchmal  werden Steinanker angebracht.

Bild: Haeuser in der Gstaettengasse

Osmanen verlangen Kapitulation Wiens - 15. Juli 1683

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 333 Jahren

Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und errichtete bereits am naechsten Tag ihre Zeltstadt von St. Marx bis Oberdoebling. Die Prunkzelte des Grosswesirs Kara Mustafa (1634-1683), der Wien uebrigens ohne Genehmigung des Sultans erobern wollte, standen auf der Schmelz. Am 15. Juli forderte er den Wiener Stadtkommandanten Ernst Ruediger von Starhemberg (1638-1701), der nur ueber 13.000 Soldaten und 8.000 waffenfaehige Buerger verfuegte, zur Kapitulation auf. Als dieser ablehnte, begann die Beschiessung der Stadt. Die Angriffe der Osmanen, vor allem der gefaehrliche Minenkrieg, richteten sich besonders gegen die Burg- und Loewelbastei und den Burgravelin dazwischen. Da die Belagerer aber nicht ueber genuegend schwere Geschuetze verfuegten und die Donauuebergaenge und den Kahlenberg nicht gesichert hatten, konnte sich die Stadt halten, bis ihr am 12. September das aus kaiserlichen, polnischen, bayrischen und saechsischen Truppen bestehende Entsatzheer unter Koenig Jan III. Sobieski vom Kahlenberg herab zu Hilfe kam und das feindliche Heer in die Flucht schlagen konnte. – Tipps: Diorama in der Zinnfigurenwelt Katzelsdorf; Objekte im Heeresgeschichtlichen Museum Wien.

Bild: Osmanische Laufgraeben und Artillerie vor Wien (Nicolaas Visscher II)

Sturm auf die Bastille - 14. Juli 1789

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 227 Jahren

Die Bastille war ein stark befestigtes Stadttor in Burgform, erbaut im 14. Jahrhundert als Eckpfeiler der Pariser Befestigungsanlagen, als englische Truppen in Frankreich herumzogen. Seit dem 17. Jahrhundert diente sie mit 80 teils unterirdisch liegenden Kerkern als Staatsgefaengnis. Am 14. Juli 1789 zogen aufstaendische Pariser dorthin, um sich Munitionsvorraete zu beschaffen. Der Kommandant Bernard-René Jordan de Launay liess auf sie schiessen, es gab mehr als 90 Tote. Als die Revolutionaere erneut anrueckten, kapitulierte die Wachmannschaft, bestehend aus 80 Kriegsveteranen und 32 Soldaten. Die Menge stuermte das verhasste Gefaengnis und befreite – ganze vier Urkundenfaelscher, zwei Geisteskranke und den beruechtigten Marquis de Sade (falls er nicht schon vorher in die Irrenanstalt Charonton verlegt worden war). Der Kommandant wurde auf seinem Weg zum Rathaus trotz der Zusicherung freien Geleits gekoepft, sein Kopf wurde mit zwei anderen auf Heugabeln unter dem Jubel der Bevoelkerung durch die Strassen getragen. Von einer heldenhaften Erstuermung des Gefaengnisses konnte also gar keine Rede sein, aber sie hatte Symbolwirkung und gilt als Beginn der franzoesischen Revolution. Am 1. Jahrestag leisteten der Koenig und Vertreter der Staende und des ganzen Landes den feierlichen Treueid auf die Nation. Daher ist der 14. Juli bis heute franzoesischer Nationalfeiertag (den viele Franzosen am liebsten urlaubend verbringen). Die Bastille wurde uebrigens schon bald abgerissen, heute erinnert an sie nur mehr der im Boden markierte Verlauf ihrer Mauern auf der Place de la Bastille. Einen Mauerrest findet man in der Metro Station Bastille.

Bild: Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789

Okkupation von Bosnien und Herzegowina - 13. Juli 1878

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 138 Jahren

Der Berliner Kongress von 1878 sollte die Balkankrise beenden und eine Friedensordnung fuer Osteuropa schaffen. Er endete mit der Unterzeichnung des Berliner Vertrags am 13. Juli 1878. Dieser raeumte unter anderem Oesterreich-Ungarn das Recht ein, Bosnien, Herzegowina und den Sandschak Novi Pazar militaerisch zu besetzen und zu verwalten, obwohl sie nominell weiter zum Osmanischen Reich gehoerten. Die Besetzung startete am 29. Juli und stiess auf unerwartet hohen Widerstand von Seiten der Muslime, sie kostete 5.000 Oesterreichisch-ungarischen Soldaten das Leben. Bis zum 20. Oktober hatten sich die Besatzer durchgesetzt. Oesterreich-Ungarn wartete jedoch auf eine Gelegenheit, das Gebiet auch formal zu integrieren, da man Angst hatte, dass sich die jungtuerkische Revolution bis dorthin ausbreiten oder der serbische Einfluss wachsen koenne. Am 5. Oktober 1908 gab Franz Joseph I. die Annexion von Bosnien und der Herzegowina bekannt. Am 26. Februar 1909 anerkannte das Osmanische Reich den Gebietsverlust gegen eine hohe Entschaedigung und erhielt den Sandschak zurueck. Russland, Serbien und Montenegro anerkannten die Annexion ebenfalls.

Bild: Sultan Abduelhamid II. sieht hilflos zu, wie Kaiser Franz Joseph Bosnien-Herzegowina und Zar Ferdinand Bulgarien aus dem Osmanischen Reich herausreissen (Le Petit Journal, 18.10.1908)

Erster Luftangriff auf eine Stadt - 12. Juli 1849

by Anna Ehrlich on 08/30/16

Heute vor 167 Jahren

Im Revolutionsjahr 1848 wurde in Venedig die Republik ausgerufen, die ihre Unabhaengigkeit ueber ein Jahr lang gegen die Oesterreichischen Belagerer behaupten konnte. Diese griffen zu einer vOellig neuen Waffe: Sie setzten ab dem 12. Juli 1849 Bomben an unbemannten Heissluftballons ein, die von Franz von Uchatius (1811-1881) erfunden und von Feldmarschall Radetzky angefordert worden waren. Die Trefferquote der mit je 15 kg Sprengstoff beladenen Bomben war sehr gering. Sie beeindruckten die Venezianer jedoch so gewaltig, dass sie bereits am 22. August kapitulierten. Venedig blieb bis 1866 Oesterreichisch. Die k.k. Armee verzichtete in Zukunft jedoch auf den Einsatz der neuen, wenig effizienten Waffe. Das Prinzip wurde erst 1944 von den Japanern wiederaufgenommen, als sie Ballonbomben ueber den USA abwarfen. Auch diese erwiesen sich als militaerisch wertlos.

Bild: Explosion einer Ballonbombe in Venedig, 1849.

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