Anna Ehrlich, Rudolf II., Szepter und Rose Rezensionen
Verstoßen
Kirche zerstört Liebesglück

Es war einmal ein Kaiser, der verliebte sich in die bildhübsche Tochter eines Prager Künstlers ..." Dies, so könnte man denken, sei der Beginn eines Märchens, doch handelt es sich um eine wahre Geschichte, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann.

Im Jahr 1585 verliebt sich Kaiser Rudolf II., Herrscher über Österreich, Ungarn und Böhmen, in Katharina Strada, die Tochter seines Hofantiquars. Die bildhübsche junge Frau, die schon immer eine tiefe Verehrung für den Kaiser empfunden hatte, begegnet eben diesem auf einem großen Fest in Prag. Der in ständiger Angst vor Gift- und Mordanschlägen lebende Kaiser sieht in Katharina eine Art Schutzengel. Aus Bewunderung und Zuneigung wird Liebe, und bald darauf schenkt Katharina dem Kaiser einen Sohn. Heimlich ehelicht Rudolf seine Katharina. Doch die Kirche, der der Kaiser aufgrund seiner Sympathie für die Prager Juden ohnehin ein Dorn im Auge ist, drängt auf eine standesgemäße Ehe. Als Katharina bei einem heimtückischen Giftanschlag nur knapp dem Tod entkommt, steht Rudolf vor der schwersten Entscheidung seines Lebens.

Anna Ehrlich und Bernadette Mayr berichten in dem Roman "Szepter und Rose" sehr anschaulich und mit historischer Genauigkeit über das Leben und die Ereignisse im Prag des 16. Jahrhunderts.

Die Geschichte selbst zeichnet sich nicht nur dadurch aus, daß sie auf einer wahren Begebenheit beruht, sondern auch durch die angenehm und sympathisch gezeichneten Charaktere der Hauptpersonen. Obwohl sich eher wenig Ereignisse um das Hauptgeschehen, sprich die Liebe zwischen Katharina und Rudolf, ranken, handelt es sich um einen interessanten, abwechslungsreichen Roman.

Der angenehme Schreibstil ermöglicht einen raschen Lesefluß, der beim Leser keinerlei Langeweile aufkommen läßt. Zur Unterstützung der Vorstellungskraft des Lesers enthält das Buch einen farbigen Bildteil, mit Bildern aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, die die beschriebenen Personen im zeitgenössischen Kunststil darstellen.

Ein wirklich angenehm zu lesender Liebesroman, der jeglichen Kitsches entbehrt und aufgrund des historischen Hintergrundes definitiv nicht als Liebesschnulze oder dergleichen bezeichnet werden kann. A. Ney

Anna Ehrlich, Bernadette Mayr: "Szepter und Rose", Langen Müller, München 2004, Roman, zahlr. farb. Abb., 361 Seiten, 22,90 Euro

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Juli 2004 http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv04/2704paz50.htm

Weitere Rezensionen
Sächsische Zeitung, 17.07.04


"Beim sommerlichen Pragbesuch unbedingt einpacken."

Kurzbeschreibung
Auf dem prächtigen Hradschin regiert Ende des sechzehnten Jahrhunderts der schwermütige Kaiser Rudolf, Herrscher über Österreich, Ungarn und Böhmen. Er lebt in ständiger Angst vor Verschwörung und Gift, sucht sein Heil in der Alchemie und verbringt viele Stunden allein in seiner Kunstkammer, gedankenverloren vor prachtvollen Gemälden und glänzenden Schätzen.

Katharina, die hübsche und kluge Tochter des Hofantiquars Ottavio Strada, träumt von einer Begegnung mit dem mächtigen Mann. Einmal dem Kaiser von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, das ist ihr sehnlichster Wunsch. Und das scheinbar Unmögliche gelingt: Als die alte Seherin Magdalena Rudolf prophezeit, er werde demnächst seinen Schutzengel, eine herrliche Rose, finden, schlägt Katharinas Stunde. Die beiden lernen einander bei einem glanzvollen Fest kennen und lieben. Die unbekümmerte Katharina bringt frischen Wind in melancholische Atmosphäre des Hofes. Mit ihrer Unterstützung überwindet Rudolf seine Ängste und findet endlich Freude am Leben. Bei ihrer jüdischen Freundin Frumet lernt sie die Gebote der koscheren Küche kennen und kann damit sogar Rudolfs Magenbeschwerden kurieren. Als Katharina dem Kaiser einen Sohn schenkt, besteht Rudolf auf einer heimlichen Hochzeit. Doch gleichzeitig drängen die katholische Kirche und seine Familie auf eine standesgemäße Heirat. Der Kaiser ist der Kirche mit seiner Toleranz gegenüber den Prager Juden ohnedies ein Dorn im Auge. Viel lieber würden die kirchlichen Würdenträger Rudolfs ehrgeizigen Bruder Matthias auf dem Thron sehen. Als Katharina bei einem heimtückischen Anschlag beinahe ihr Leben verliert, steht Rudolf vor der schwersten Entscheidung seines Lebens ...

Spannend und gefühlvoll schildern die Autorinnen diese bittersüße Liebesgeschichte und zeichnen ein historisch genaues, farbiges Gemälde dieser Zeit. Das alte Prag wird hier wieder lebendig: gebildete Bürger und gerissene Kaufleute, das Schicksal der Prager Juden und Zigeuner, die katholischen Geistlichen und das kaiserliche Gefolge am Hradschin.

Über den Autor
Anna Ehrlich ist promovierte Historikerin und Juristin. Sie ist Expertin für die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Bernadette Mayr studierte Publizistik und Germanistik an der Universität Wien. Sie lebt als freie Publizistin in Wien und veröffentlichte Artikel in verschiedenen Tageszeitungen und Magazinen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert.








Rezension von Thomas Kwant, Prager Zeitung 10. März 2005

Der Kaiser und das Mädchen

Eine große historische Liebe verband Rudolf II mit der bildschönen Tochter seines Hofantiquars

13 Jahre dauerte die Liebesbeziehung zwischen Kaiser Rudolf II. und der Künstlertochter Katharina Strada. Diese Verbindung musste lange halten, denn schließlich ziehen sich Gegensätze magnetisch an.

Melancholischer Superkaiser

Das verhält sich nur im Märchen so, meinen Sie? Oder im Kitschroman? Kann schon sein. Wobei das Leben oft die bessere Kitschstory ist. Denn auch dieses Traumpaar des 16. Jahrhunderts hat es tatsächlich gegeben. Das gefiel der promovierten Juristin, Historikerin
und erfahrenen Wienführerin Anna Ehrlich. Zusammen mit der oberösterreichischen Journalistin Bernadette Mayr schrieb sie kurzerhand ein dickes Buch über den melancholischen Superkaiser, seines Zeichens Herrscher über Österreich, Ungarn und Böhmen, der von Katharinas Lebenslust fasziniert ist und hofft, sie reiche für beide Herzen.

Der mächtige Kaiser also begegnet der Tochter seines Hofantiquars Ottavio Strada auf einem rauschenden Fest in Prag. Die Zufälle halten sich dabei in Grenzen. Rudolf II. steht noch unter dem Eindruck einer schwierigen Entscheidung; er befürchtet schlimme Folgen. Diesmal würde ihm der katholische Klerus gehörig das Leben madig machen, weil er zu guter Letzt nicht den Ausweisungsbefehl unterschrieb, der es ermöglicht hätte, endlich die verhassten Juden aus der Stadt zu vertreiben. Und mit seinem Verhalten hinsichtlich der Reformation konnte der Kaiser ebenfalls nicht gerade glänzen. In dieser schweren Zeit weissagt die alte Seherin Magdalena dem abergläubischen Regenten, dass er in naher Zukunft seinem Schutzengel begegnen wird. Das kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Nur kannte Rudolf das entscheidende Faktum nicht: Ottavio Strada hatte die Sache listig eingefädelt, ganz irdisch.

Unwissend, aber bis über beide Ohren verliebt in seinen unbekümmerten Schutzengel, sind selbstverständlich bald süße Kinderlein das Ergebnis dieser Verbindung. Nun drängt es sogar den einst polygamen ewigen Junggesellen in den Stand der Ehe – heimlich allerdings, was die machtbesessenen Kirchenvertreter wiederum genauso erzürnt wie die besondere Diät, die
Katharina ausgerechnet von ihrer jüdischen Busenfreundin empfohlen wurde, mit der es tatsächlich gelingt, das körperliche Wohlbefinden des, sein Leibarzt würde sagen: von Trunksucht reichlich angeschlagenen Kaisers wieder herzustellen.

Die schöne Romanze gerät jedoch, wie es sich für eine ordentliche Liebesgeschichte gehört, in eine gefährliche Brandung, deren Wellen das große Glück zu zerschmettern drohen. Ein arglistiger Giftanschlag bringt Katharina beinahe um ihr Leben und Rudolf II. hat eine äußerst schwere Entscheidung zu treffen. Nein, literarische Höhenflüge darf man von diesem historischen Liebesroman nicht erwarten. Gute Unterhaltung hingegen schon. Die Seiten fliegen nur so dahin und man merkt gar nicht, dass im Grunde nicht viel passiert und wirklich nur diese eine Geschichte im Mittelpunkt steht: vom Kaiser und seiner jungen Geliebten aus niederem Stande. Mit historischer Gewissenhaftigkeit recherchiert (für den interessierten Leser gibt es zusätzlich einen reichhaltigen Anmerkungsteil am Ende des Buches), erfahren wir sehr detailliert, aber ganz und gar nicht ermüdend, wie es zuging zu dieser Zeit, wie man im alten Prag lebte und litt. Das allein lohnt die Lektüre.

Ein besonderes Schmankerl enthält
dieser, übrigens nicht nur den Vertretern des weiblichen Geschlechts anzuratende Unterhaltungsroman obendrein: die zahlreichen farbigen Abbildungen aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Im Text verwundert Rudolfs ausgeprägter Geisterglaube.
So trank der Kaiser liebend gern aus einem gold- und emailverzierten Bezoarbecher,
da dieses Material Gifte unwirksam werden lassen sollte. Das ist amüsant. Steigern lässt sich dieses Vergnügen mit dem Mittelteil des Historienwerkes, dort kann der Leser das edle Behältnis visuell genießen.





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