150 Jahre Wiener Ringstraße 

Vom Schwarzenbergplatz zum Burgtheater.  
    Die Wiener Ringstraße gilt heute als einer der schönsten Boulevards der Welt. Sie versöhnte die Herzen der Stadtbewohner aber erst lange nach ihrer Entstehung durch ihre Schönheit. Einst trennten an ihrer Stelle Stadtmauer und Stadtgraben die Vorstädte von der Innenstadt, die sich während der großen Kriege der Vergangenheit damit gegen Invasoren verteidigte, erfolgreich gegen die Osmanen, weit weniger erfolgreich gegen Ungarn und Franzosen. Als die Wiener sich im Revolutionsjahr 1848 aber gegen die eigene Regierung hinter den nicht mehr zeitgemäßen Wällen verschanzte, war das Ende der Befestigungswerke nahe. 1857 fiel der damals unpopuläre Entschluss Kaiser Franz Josephs zur Auflassung der städtischen Befestigungen. Der Dichter Franz Grillparzer kommentierte spöttisch:
„Wiens Wälle fallen in den Sand; Wer wird in engen Mauern leben!
Auch ist ja schon das ganze Land Von einer chinesischen umgeben.“

Der gesamte alte militärische Rayon der Befestigungen, ein breiter Gürtel rings um die Innenstadt, wurde damals zum Bauland, der Großteil wurde an den Blut- und Geldadel verkauft, der so in günstigster Lage seine "Palazzi prozzi" erbauen konnte. Das eingenommene Geld diente zur Errichtung von Prunkbauten entlang der Ringstraße, die zum Herzstück von Wien werden sollte, zur architektonischen Darstellung der Macht der Donaumonarchie (und durchaus auch zur Drohung gegen revolutionären Geist mit Kasernen an jedem ihrer Enden). Die Architekten griffen die Baustile der Vergangenheit auf, die Gebäude sollten schon von außen ihre Bestimmung zeigen: Gotik für Votivkirche und Rathaus, fürstliche Renaissance für Wissenschaft und Kunst nebst Geldwesen, Antikes für die Politik. Dieser „Historismus“ genannte Stil wurde vom Kaiser besonders gefördert, selbst als er schon überholt war (Kriegsministerium 1913) und Otto Wagner bereits neue Maßstäbe gesetzt hatte (Postparkasse 1912). 


Wir erzählen aber nicht nur von den Bauwerken, ihrer Finanzierung und den Architekten, sondern auch von den Menschen und Institutionen, die die Bauten nach der Fertigstellung nutzten, darunter Sänger, Tänzer, Schauspieler, Bankiers und Adelige.

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