Jüdisches Leben in Wien - einst und heute

Schon zur Römerzeit gab es sicherlich Juden in Wien, die somit das älteste noch immer bestehende Bevölkerungselement darstellen. Im Mittelalter waren ihnen Handel und Geldwesen vorbehalten, sie dienten den Herzögen als Finanzbeamte und Leihkasse. Die blühende Gemeinde wurde jedoch 1421 ausgelöscht. Es dauerte lange, bis sie wieder ins "Blutland" zurückkehrten und im 2. Bezirk eine neue Gemeinde bildeten. Diese mussten sie 1671 auf kaiserlichen Befehl verlassen. Einzelne Juden erhielten jedoch bald das Privileg zur Neuansiedlung. Ab der Regierungszeit Kaiser Josefs II. wurden die Juden schrittweise den Christen gleichgestellt und erlebten unter Kaiser Franz Josef eine neue kulturelle Blüte, die bis 1938 währte. Damals gab es Dutzende Synagogen und Bethäuser. Doch hatte sich im Zuge des aufkommenden Nationalismus der Völker auch der Antisemitismus weit verbreitet und bildete die Basis für den Terror der Nazis, der nach dem "Anschluss" Österreichs auch hier einsetzte. Etwas mehr als zwei Dritteln der jüdischen ÖsterreicherInnen gelang zwar die Flucht, die übrigen 65.000 Unglücklichen wurden ermordet.

Unser Spaziergang führt vom Judenplatz zum Stadttempel in der Seitenstettengasse, und über den Donaukanal in die Leopoldstadt, wo es heute wieder eine aktive jüdische Gemeinde  gibt.